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Betriebsübergabe im Tourismus: 2 Familien machen’s vor

Spektrum

Viele Hoteliers und Gastronomen haben Jahrzehnte daran gearbeitet, ihren Betrieb zu dem zu machen, was er heute ist … und finden dann niemanden, der ihr Lebenswerk weiterführen will. Bei Vater und Sohn Fetz im Kunsthotel Hirschen in Schwarzenberg war das anders, ebenso wie bei Michaela Herburger und ihren Eltern im Gasthof Mohren in Rankweil. Wir vom HOGAST-plus.punkt haben beide Mitglieder in Vorarlberg besucht und nachgefragt, wie sie die Unternehmensübergabe erlebt haben und was sie Kollegen raten würden, die in einer ähnlichen Situation sind.

Elmar Herburger ist nicht nur langjähriger Gastgeber im Mohren, sondern auch Spartenobmann für Tourismus in der Vorarlberger Wirtschaftskammer. Er kennt die Nachfolgeproblematik und zeigt Verständnis: „Diese Arbeit ist nicht jedermanns Sache. Wenn du die Verantwortung übernimmst, musst du voll dahinterstehen. Tust du das nicht, ist es besser, du lässt es, so bitter das für den Rest der Familie auch ist.“ „Allerdings“, gibt sein alter Bekannter Franz Fetz zu bedenken, „denken viele Junge etwas einseitig. Sie kennen den Tourismus sehr gut und auch die Probleme in dieser Branche. Sie kennen andere Branchen aber zu wenig, wechseln dann dorthin und merken, dass es dort genauso Probleme gibt.“

Nicht nur jammern

Beide raten zwar zur Ehrlichkeit, was Licht- und Schattenseiten der Arbeit im Tourismus betrifft, sagen aber auch, dass Krankjammern das falsche Rezept ist. „Wenn ich den Kindern beim Essen immer nur erzähle, wie schlecht alles ist, woher soll dann die Freude am Gastgewerbe kommen?“, fragt Franz Fetz. Für Elmar Herburger ist außerdem Zeit ein wichtiges Thema, „weniger die Menge der Zeit, die man sich für die Familie nimmt, sondern die Qualität der Zeit, die man gemeinsam hat“.

Michaela Herburger empfängt die Gäste im Mohren. – Foto: Hotel Restaurant Mohren

Die Zeit mit seiner Tochter hat er offenbar gut genutzt. „In ‚normalen‘ Familien kommt der Papa oft erst am Abend heim, wenn die Kinder schlafen gehen. Ich konnte mit meinen Eltern schon gemeinsam Mittag essen“, erinnert sich Michaela, bei der sich das „Gastgeber-Gen“ schon früh gezeigt hat. „Ich wollte schon als Kind immer da sein, wo was los ist“, sagt die 51-Prozent-Eigentürmerin der Mohren GmbH. Später besuchte sie die Tourismusschule Villa Blanka in Innsbruck, arbeitete fünf Wintersaisonen in Lech und absolvierte die Abteilungsleiterakademie und die Unternehmerakademie der ÖHV, um sich bestens auf ihre Aufgabe vorzubereiten.

Weg vom eigenen Betrieb

Ähnlich der Werdegang von Peter Fetz: Im heimatlichen Hirschen und der Tourismusschule lernte er das Handwerkszeug des Hoteliers und Gastronomen, im Studium eignete er sich das nötige Management-Wissen an (insbesondere Buchhaltung, Controlling, Finanzwesen und Personalführung) und in Topbetrieben in Wien, London und Paris sammelte er viele spannende Eindrücke. „Es ist enorm wichtig, mal vom eigenen Betrieb wegzukommen. Vieles, was du erlebst und lernst, lässt sich zwar nicht auf ein Hotel im Bregenzerwald übertragen, manches willst du auch nicht übernehmen. Aber du musst es kennen, um darüber urteilen zu können.“

Seit 1. November 2017 ist er Geschäftsführer im Hirschen, die offizielle Betriebsübergabe ist bereits vorbereitet. Das Abtreten von Verantwortung ist Vater Franz nicht schwer gefallen. „Das wäre vor fünf Jahren vielleicht noch anders gewesen. Jetzt bin ich über 70 und merke, dass ich ein bisschen müde werde. Ich bin froh, dass mir Peter immer mehr Aufgaben abnimmt.“ Der neue Chef holt aber gerne den Rat des alten ein. Und wenn Franz Fetz wieder einmal einen Abend in seinem Haubenrestaurant verbringt und wie vor 40 Jahren die Gäste unterhält, ist das dem Junior nur Recht. „Er mischt sich gern unters Volk – ich natürlich auch, aber nach einem zehnstündigen Arbeitstag ist es eine große Erleichterung für mich, auch mal verschnaufen zu können.“

Ähnlich die Arbeitsaufteilung im Hause Herburger, wo wie im Hirschen vor der Übergabe noch ein gemeinsames Bauprojekt über die Bühne gebracht wurde. Elmar steht Michaela nach wie vor zur Seite, wenn sie seinen Rat oder seine Hilfe braucht. Und dass sich Mutter Gerda weiterhin um die hauseigene Landwirtschaft und den großen Garten – das Herzstück des Mohren – kümmern wird, steht ohnehin außer Frage.

Nicht nur Vorname ändert sich

Neue Ideen sind aber sowohl in Rankweil als auch in Schwarzenberg erlaubt, erwünscht und nötig. „Es wäre zu wenig, einfach zu sagen, der Vorname ändert sich und sonst bleibt alles gleich. Das geht allein deshalb nicht, weil sich die Branche verändert hat“, betont Peter Fetz. „Früher war bei uns nur von Donnerstag bis Sonntag was los und ab Sonntagmittag wieder gähnende Leere. Dadurch, dass das Geschäft so konzentriert war, konnte man als Person viel präsenter sein. Heute haben wir sieben Tage pro Woche von morgens um sieben bis nachts um eins geöffnet. Ich kann also gar nicht so präsent sein wie mein Vater und muss den Hirschen an sich wieder mehr in den Mittelpunkt rücken, unabhängig von seiner oder meiner Person.“

An der Ausrichtung des Hirschen als Kunsthotel – an der Wand hängen Kunstwerke, im öffentlichen Bereich findet man eine gut ausgestattete Bibliothek und regelmäßig finden Musikabende statt – will Peter Fetz nicht rütteln. „Mein Vater hat mich mit seiner Begeisterung für diese Dinge angesteckt. Mein Ziel ist aber, das Haus über die Kunst hinaus zu einem Ort der Kreativität und Inspiration zu machen. Das ist im Seminarbereich genauso wichtig wie bei der Freizeit- und Urlaubsgestaltung.“

Zukunftsthema Mitarbeiter

Michaela Herburger hat mit dem Anbau an ihrem Hotel und der damit verbundenen Erhöhung der Zimmerkapazität schon einen ersten wichtigen Akzent gesetzt. Ein grundlegendes Zukunftsthema ist für sie wie auch für Peter Fetz das Personal. Das Mohren ist als ausgezeichneter Lehrbetrieb und „Great place to work“ zertifiziert, und auch Peter Fetz verbringt viel Arbeitszeit damit, sich um seine 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu kümmern. „Die Work-Life-Balance war früher kein großes Thema“, räumt Franz Fetz ein. „Aber die ältere Generation darf nicht sagen, dass Dinge, die immer so waren, auch künftig so sein müssen. Es ist unsere Bringschuld, uns in die Nachfolge-Generation hineinzudenken und – ganz wichtig – ihr zu vertrauen.“

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Business-Workshop Unternehmensnachfolge

Wer mehr über das Thema Unternehmensnachfolge wissen will, welche Herausforderungen dabei warten und wie man diesen Herausforderungen begegnen kann, der ist beim kommenden HOGAST-Business- Workshop zu diesem Thema richtig.

Die Kernthemen:

  • Herausforderungen bei der Unternehmensnachfolge
  • Konfliktprävention durch Erarbeitung eines Familienkodex
  • rechtliche Grundzüge der Vermögensnachfolge und Vorkehrungen für Notfallsituationen
  • gemeinsame Diskussion anhand eines Fallbeispiels

Die Veranstaltung findet am 14.11.2018 (9.30 bis 13.30 Uhr) im Hotel Momentum in Anif statt. Die Anmeldung zu diesem kostenlosen Workshop ist ausschließlich auf der Website https://events.hogast.at/unternehmensnachfolge2018 möglich. Anmeldeschluss ist der 9. November.

Titelbild: Hotel Hirschen/Alfred Bereuter
4. September 2018
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