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Designhotel Zillertalerhof – Visionen sind planbar

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NÜCHTERN, ZAHLEN- UND FAKTENFIXIERT, WEITGEHEND HUMORBEFREIT – SO STELLT MAN SICH GEMEINHIN ÖKONOMEN VOR. DEN GEGENBEWEIS TRETEN FRANZ-JOSEF UND KATHARINA PERAUER AN. SIE HABEN NACH IHREM STUDIUM UND EINIGEN INTERNATIONALEN WANDERJAHREN AUS DEM ZILLERTALERHOF IN MAYRHOFEN EIN ALPIN-URBANES 4*S-DESIGNHOTEL ENTWICKELT. DAHINTER STECKT EIN VON LANGER HAND GEPLANTES UND SEHR STIMMIGES GESAMTKONZEPT.

Jahrelang feilte das Ehepaar an seinem „Alpine Hideaway“, ließ sich bei Auslandsaufenthalten in Metropolen wie Mailand, Paris oder London inspirieren und baute Kontakte zu internationalen Designern auf. Gleichzeitig überlegten die jungen Hoteliers, wie sich solche Konzepte auf den elterlichen Betrieb und die alpine Umgebung im Zillertal übertragen lassen. Am Ende standen 150 Seiten voller Ideen, die Innenarchitekt Harald Margreiter in seinen Gestaltungsplan einfließen ließ. „Wir haben ihm teilweise bis spät in die Nacht Nachrichten geschickt“, lacht Franz-Josef Perauer. „Seine ganz große Leistung war, aus all diesen Eindrücken ein Gesamtkonzept zu machen, in dem der Gast ganz klar einen roten Faden erkennt.“

NICHT AUS DER BROSCHÜRE

Warum wollte die neue Generation den Zillertalerhof eigentlich unbedingt runderneuern? „Es ging nicht darum, alles neu zu machen. Im Gegenteil: Wir haben ganz bewusst einige Elemente aus der Vergangenheit bewahrt. Aber wir wollten ein Hotel führen, mit dem wir uns bestmöglich identifizieren können und das unsere Persönlichkeiten widerspiegelt“, sagt der 38-Jährige. Außerdem müsse man gerade in einem Ort wie Mayrhofen mit seiner großen Auswahl an Unterkünften aus der Reihe tanzen. „Früher war der Zillertalerhof ein traditionelles, gutbürgerliches Hotel. Das ist nichts Schlechtes, aber es trifft auch auf über 90 Prozent aller Betriebe zu – nicht nur bei uns, sondern generell im Alpenraum. Wenn man Broschüren durchblättert, sehen neue Hotelkonzepte oft zum Verwechseln ähnlich aus. Sie sind zwar schön, aber nicht wirklich speziell. Wir wollten ein Haus schaffen, das individuell, anders, nicht austauschbar ist. Sowohl für Gäste als auch für Mitarbeiter.“

Dieser Anspruch wurde mehr als erfüllt – vom Spiegel in der Tiefgarage über die Gemälde eines Tiroler Künstlers, die im ganzen Haus zu finden sind, bis zum Plattenspieler im Wintergarten reichen die optischen Reize. Mittendrin Designermöbel oder -lampen, die eine oder andere Büste und dann doch wieder ein Hirschgeweih. Das Vogelmotiv vom alten Kachelofen in der Jagdstube wurde als wiederkehrendes Thema auf Pölster und Wände im ganzen Haus übertragen.

AUTHENTIZITÄT STATT KITSCH

Foto: Hotel Zillertalerhof

„Einer unserer wichtigsten Werte ist Authentizität. Das heißt, wenn bei uns etwas aussieht wie Leder, Messing oder Holz, dann ist es auch Leder, Messing oder Holz. Auch ein Hirschgeweih an sich ist nicht kitschig. Kitschig ist es nur, wenn ich das Hirschgeweih gelb oder grün anmale, weil es dann nicht mehr echt ist“, sagt Franz-Josef Perauer. Er betont: „Auf diesen oberflächlichen ‚Alpine Lifestyle Hype‘ springen wir ganz bewusst nicht auf. Wir gehen mit unserem Konzept in die Tiefe und stehen für das Echte, für Kunst, für Design. Das ist auch unsere ganz persönliche Wertewelt.“

Dass nicht jeder vom neuen Interior Design hellauf begeistert sein würde, war Franz-Josef Perauer von vornherein klar: „Es war auch nicht das Ziel, dass jedem alles bei uns gefällt. Wir wollen Menschen zum Nachdenken animieren. Das schönste Kompliment ist für mich, wenn mir jemand sagt, dass ihm diese Lampe gefällt, jener Vorhang aber nicht. Denn dann weiß ich, dass er sich sowohl mit der Lampe als auch mit dem Vorhang auseinandergesetzt hat.“

ZIELGRUPPEN UND STILGRUPPEN

Die Eltern von Franz-Josef waren nach anfänglicher Überraschung vom neuen Innenleben des Zillertalerhofs sehr angetan – für den Betriebsnachfolger der Beweis, dass sein Konzept keine Frage des Alters ist. „ZIELgruppen werden immer an demografischen Merkmalen festgemacht, deshalb sprechen wir von STILgruppen – es geht also nicht um Alter oder Herkunft, sondern um ein bestimmtes Mindset –, auch das unterscheidet unser Konzept von den Ansätzen vieler Kollegen.Wir wollen alle ansprechen, die so wie wir etwas für Design, Kunst und Individualität übrighaben. Am besten sieht man das in unserer ‚HOF BAR‘, wo sich alle Gäste und auch Einheimische treffen. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass sich ein 19-jähriger Student und ein 65-jähriger Arzt über Architektur unterhalten.“

UMGESTALTUNG MIT ÖKONOMISCHEM KALKÜL

Die detaillierte Planung nährt die Zuversicht des zweifachen Vaters, dass seine Idee auch zum ökonomischen Erfolgsprojekt wird. „Wir sind keine Träumer. Letzten Endes geht es auch bei uns um den wirtschaftlichen Ertrag. Schließlich haben wir eine Verantwortung gegenüber Gästen, Lieferanten und vor allem gegenüber unseren Mitarbeitern und deren Familien. Wir sind verpflichtet, darauf zu achten, dass unser Hotel finanziell auf gesunden Beinen steht. Aber warum sollte nicht etwas wirtschaftlich sinnvoll sein, das gleichzeitig schön ist und Spaß macht?“

Foto: Hotel Zillertalerhof

Dass das beste Konzept keine Garantie für ökonomischen Erfolg ist, weiß der Kleßheim-Absolvent und studierte Wirtschaftswissenschafter. „Aber wenn die empirischen Fakten nicht komplett dagegensprechen und man von dem überzeugt ist, was man tut, hat man gute Chancen, dass es funktioniert. Ein bisschen unternehmerischer Mut und auch das nötige Quäntchen Glück gehören immer dazu.“

„DREAM-TEAM“ ALS ZENTRALER ERFOLGSFAKTOR

Der wichtigste Erfolgsfaktor sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zillertalerhofs. Sie füllen das Haus als leidenschaftliche Gastgeber mit Leben, ist die studierte Wirtschaftspädagogin Katharina Perauer überzeugt. „Wenn ich nur etwas Schönes sehen will, kann ich auch ins Museum gehen. Der schönste Teller mit dem besten Essen drauf bringt nichts, wenn er ohne Liebe serviert wird. Ein Hotel lebt vor allem von Emotionen.“

Wie bei den Gästen gab es auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einige, die sich mit der Neuausrichtung des Zillertalerhofs nicht identifizieren konnten und sich umorientiert haben. „Das ist aber völlig legitim. Deshalb: Wenn wir uns von jemandem getrennt haben, dann stets im Guten“, betont Katharina Perauer. Wer geblieben ist, wurde voll in den Umgestaltungsprozess eingebunden. „Das Ganze ist dadurch von der Idee zweier Menschen zum Projekt von ganz vielen Menschen geworden“, freut sie sich und ergänzt: „Wir coachen unsere Mitarbeiter intern und bieten abteilungsspezifische Intervisionen an, um sie nach ihren individuellen Bedürfnissen bestmöglich zu begleiten und zu fördern. Das ist unser gelebter Führungsanspruch, von dem jeder Einzelne – und vor allem das Team als Ganzes – unglaublich profitiert.“

HOHE FRAUENQUOTE

Die Geschlechterquote wird im Zillertalerhof übererfüllt. In der Küche schwingt ebenso eine Frau das Zepter wie im Service, an der Rezeption, im Spa-Bereich, im Housekeeping und in der HOF BAR. Für Franz-Josef Perauer kein Zufall: „Frauen sind oft kunstaffine Feingeister, außerdem teilen sie unseren Humor und unsere positive Grundeinstellung, die wir auch den Gästen vermitteln wollen.“

IF YOU WANT TO BE ORIGINAL, BE READY TO BE COPIED

Die Konzeption des neuen Zillertalerhofs hat fast vier Jahre gedauert, die erste – und größte – Bauphase gerade einmal zweieinhalb Monate. In dieser Zeit wurden 34 Zimmer, die Bar, die Außenanlagen und der Empfangsbereich inklusive Lobby und Wintergarten komplett erneuert. Die Türen des Zillertalerhofs stehen nicht nur Einheimischen und Gästen, sondern auch Kollegen offen. Angst vor Nachahmern haben die beiden Gastgeber nicht. „Es gibt noch immer viele Hoteliers, die sich verschließen und deren größte Angst es ist, dass ein Kollege mal bei der Tür reinkommt. Für uns ist das schwer nachvollziehbar, wenngleich wir natürlich oft schmunzeln, wenn uns Kollegen in diversen Bereichen schlichtweg kopieren oder unsere Lieferanten, Partner und Mitarbeiter ‚zu Rate ziehen‘. Das ist allerdings auch die höchste Form der Anerkennung“, ist sich das Hotelierspaar einig. „Ein Hotel lebt immer von den ‚people behind‘, und unsere persönliche Story kann ohnehin keiner kopieren.“

Foto: Hotel Zillertalerhof

Der Wille zum Austausch innerhalb der Branche war auch Franz-Josef Perauers Motivation, der HOGAST beizutreten. „Mir ist es nicht in erster Linie um die Konditionsvorteile gegangen, sondern ich wollte Teil dieses Netzwerks sein. Wir leben und arbeiten sowieso in Netzwerken, in unserer Region genauso wie in unserer Branche. Das ist auch gut so, denn in einem großen Ganzen kann man viel mehr bewegen als allein.“

TRAUT EUCH, ABER PLANT GUT

Dass sein Beispiel andere junge Hoteliers und Gastronomen ermuntern könnte, ebenfalls etwas Neues zu wagen, ist Franz-Josef Perauer bewusst. „Allerdings“, betont er, „einfach etwas zu tun reicht nicht aus. …“. Ein Fundament an strukturierter Vorarbeit gehört dazu. Meine Botschaft ist deshalb: ‚Traut euch, aber plant gut!‘ Dazu müsst ihr keine Ökonomen sein – es gibt öffentliche Institutionen, Beratungsunternehmen und Banken, die euch helfen können. Noch etwas: Seid mit dem Erreichten nie ganz zufrieden. Denn sobald jemand aufhört, besser werden zu wollen, hört er auf, gut zu sein!“

 

Titelbild: HOGAST/Franz Neumayr
13. März 2020
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