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Mehr Nachhaltigkeit in drei Schritten

Spektrum

Manche nennen Ihn einen Pionier, einige halten ihn für radikal. Die einen sehen in Ludwig Gruber einen Öko-Visionär, die anderen einen Wachstumsbremser. Er selbst hält von all diesen Etikettierungen wenig, denn für ihn ist es das Normalste auf der Welt, sich in allen Wirtschafts- und Lebensbereichen um mehr Nachhaltigkeit zu bemühen. Im plus.punkt verrät Gruber, dass jedes Unternehmen – egal ob im Tourismus oder der Gemeinschaftsverpflegung – in drei einfachen Schritten zu mehr Nachhaltigkeit gelangen kann, ohne dass es den Unternehmer etwas kostet.

Gruber selbst geht mit gutem Beispiel voran. Auf seinem Bergbauernhof im 2.000-Seelen-Dorf Nassereith sattelte er schon in den 1990er-Jahren komplett auf Bio-Landwirtschaft um. Mittlerweile hat er den Hof verpachtet und konzentriert sich auf seine unternehmerische Tätigkeit. Die Naturverbundenheit ist aber geblieben, wie sein Freiluft-Büro im eigenen Garten beweist. Lebt Ludwig Gruber selbst also zu 100 Prozent nachhaltig? „Nein“, gibt er unumwunden zu, „denn Nachhaltigkeit ist ein immerwährender Prozess. Egal was ich tue, ich überlege immer: Könnte ich es irgendwie anders machen, um noch weniger Ressourcen zu verbrauchen und noch weniger Abfall zu verursachen? Solange ich mir diese Frage stelle, ist auch mein Streben nach mehr Nachhaltigkeit nicht beendet.“

Allzu viele Kompromisse geht er jedoch nicht ein. Fossile Energieträger haben in seinem Haus (Baujahr 1997) keinen Platz, auch der Stall wird mit Fotovoltaikstrom gespeist, und natürlich fährt er ein Elektroauto. Doch das Engagement des 51-Jährigen beschränkt sich nicht auf die eigenen vier Wände. Schon 2001 gründete er den Verein BIO HOTELS, um einerseits bewusst Reisenden eine Orientierungshilfe zu verschaffen, andererseits die Verbindung zwischen Tourismus und biologischer Landwirtschaft zu stärken.

DER ERSTE BIO-HOTELIER

Ludwig Gruber in seinem „Garten-Büro“. – Foto: HOGAST/Franz Neumayr

„Es war 1999“, erinnert sich Gruber, „ich war damals für das Marketing im westösterreichischen Bio-Verband zuständig, als ein Hotelier zu mir ins Büro kam. Er hat sich darüber beschwert, dass es für Käufer im Einzelhandel mittlerweile überall Bio-Produkte gebe, für ihn und seinen Betrieb aber nicht.“ Es fehlte schlicht an Strukturen, um die Produkte vom Feld bzw. aus dem Stall ins Hotel oder Restaurant zu bringen. Ludwig Gruber änderte das, sodass der (ehemals) unzufriedene Hotelier noch im gleichen Jahr das erste Haus mit ausschließlich biologischen Produkten in ganz Europa leitete. Einige Kollegen folgten seinem Beispiel, die Gründung einer gemeinsamen Marketing-Plattform war somit ein logischer Schritt.

Doch der Verein war kein rein österreichisches Phänomen; rasch wollten auch Betriebe in Deutschland und Italien mitmachen. Mittlerweile gibt es die BIO HOTELS in sechs europäischen Ländern. Das Wort „Pionier“ sei trotzdem irreführend, betont Ludwig Gruber: „Wir haben ja nichts Neues erfunden. Wir mussten nur wieder lernen, ohne Spritzmittel Pflanzen großzuziehen oder mit Rohmaterialien zu kochen. Und wir mussten weg vom ‚Diktat der Effizienz‘.“

WAS IN DER GEWINNKALKULATION FEHLT

Konzepte nach dem Motto „Schneller, höher, weiter“ haben weder in den BIO HOTELS noch in der biologischen Landwirtschaft Platz – und erst recht nicht im Sozial- und Pflegebereich. Trotzdem findet Gruber, dass die nachhaltige Ausrichtung eines Wirtschaftsbetriebs durchaus zur Gewinnsteigerung führen kann … wenn man richtig rechnet. „Wir konzentrieren uns in unseren Kalkulationen auf die Ökonomie, auf finanzielle Aspekte. Umweltschäden, die wir verursachen, oder soziale Missstände klammern wir komplett aus, weil derzeit noch andere dafür zahlen. Aber die Ersatzzahlungen, die der Staat beispielsweise dafür leisten muss, dass wir sinnlos fossile Brennstoffe verbrennen und dadurch EU-Klimaziele verfehlen, werden irgendwann auf uns zurückfallen.“

Ludwig Gruber nennt noch ein Beispiel für die Rechenfehler der Nachhaltigkeitsverweigerer. Die Unternehmensberater der Boston Consulting Group haben festgestellt, dass die Schäden, die landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland verursachen, viermal so hoch sind wie die Wertschöpfung. „Die Formel ‚Nachhaltigkeit kostet‘ lässt sich so gesehen keinesfalls aufrechterhalten. Denn nicht nachhaltiges Verhalten kostet uns ein Vielfaches.“

EINE EINFACHE DEFINITION

Wie aber kann ein Unternehmen im Tourismus oder der Gesundheitsbranche nachhaltiger werden? Was sind die ersten Schritte? Und wie unterscheide ich echte Nachhaltigkeit vom missbräuchlich verwendeten Werbebegriff? „Das ist in der Tat schwierig“, hakt Ludwig Gruber bei der dritten Frage ein, „weil Nachhaltigkeit oft als Etikett missbraucht wird. Aber in der Volkswirtschaftslehre gibt es eine recht klare Definition. Wenn ich einen Wald habe und jedes Jahr mehr Bäume fälle als nachwachsen, ist der Wald irgendwann weg. Wenn ich ihm dagegen immer nur so viele Bäume entnehme wie im gleichen Zeitraum wachsen, kann ich ihn nutzen, ohne dass sich seine Substanz verringert.“

Mit den BIO HOTELS hat alles begonnen. Heute wendet sich Ludwig Gruber auch an die Endverbraucher. – Foto: HOGAST/Franz Neumayr

Der Grundgedanke lässt sich mit einer sogenannten Gemeinwohlbilanz gut auf Wirtschaftsbetriebe übertragen. Hier werden neben wirtschaftlichen Kennzahlen auch die gesellschaftliche Wirkung einbezogen und damit Schwachstellen in Sachen Nachhaltigkeit offenbar, von der Wertschöpfungskette bis zur Mitarbeiterstruktur. „Aber“, beruhigt Ludwig Gruber, „ich verspreche jedem, dass er seine Gemeinwohlbilanz ohne Mehrkosten um 20 bis 30 Prozent verbessern kann. Dafür reicht schon das Hinterfragen bestehender Abläufe.“

SCHRITT 1: LEBENSMITTEL

Schritt eins sei für Tourismus- und Pflegebetriebe die komplette Umstellung auf biologische Lebensmittel. Bei den BIO HOTELS habe man sich auf diesen Grundsatz rasch geeinigt, weil man festgestellt habe, dass ein rasches und totales Umsatteln einfacher ist als zweigleisig zu fahren. „Wenn du mal bei 70 oder 80 Prozent Bio-Anteil bist, macht’s keinen Sinn mehr, den Rest konventionell einzukaufen, mit doppelter Lagerhaltung usw. – das nervt dich dann nur noch. Einige unserer Mitglieder haben für die Umstellung ein Jahr oder länger gebraucht, wenn man ehrgeizig ist, hat man es aber schon nach vier bis sechs Monaten geschafft.“

SCHRITT 2: KOSMETIK

Schritt zwei betrifft den Bereich Kosmetik. „Zugegeben, bei dekorativer Kosmetik ist es noch schwierig, nachhaltige Produkte ohne Chemie zu finden; bei pflegender Kosmetik ist es heutzutage aber überhaupt kein Problem mehr.“ Auch die HOGAST-Gruppe und ihre Lieferpartner seien hier gut aufgestellt, lobt der Experte, ebenso wie beim dritten Punkt, sonstigen Non-Food-Produkten.

SCHRITT 3: NON-FOOD

„Da geht’s ans Eingemachte, weil man hier viel erreichen kann. Weg mit Flugware, weg mit fossilen Brennstoffen, her mit Öko-Strom, und schon hast du statt 40 Kilo CO2 pro Übernachtung nur noch 15 oder wie bei einigen Bio-Hotels 5 Kilo. Dabei bist du weitere Themenfelder wie Leuchtmittel oder Warmwassermanagement noch gar nicht angegangen“, erläutert Ludwig Gruber. Alles, was es brauche, sei ein Bewusstmachungsprozess: „Ich kann in Österreich und Deutschland Ökostrom zum gleichen Preis oder sogar günstiger beziehen als Strom aus kalorischer Verbrennung. Ich kann statt Öl und Gas ohne Mehrkosten erneuerbare Energieträger verwenden. Ich muss es einfach nur tun.“ Außerdem, so Gruber, solle man sich nicht sagen lassen, dass irgendetwas „nicht geht“. „Bestes Beispiel sind E-Autos: Vor ein paar Jahren sind da noch Monster an die Wand gemalt worden, heute werben die großen deutschen Konzerne für nichts anderes mehr.“

Generell, davon ist der Experte überzeugt, werde sich Nachhaltigkeit in allen Branchen durchsetzen. Die Frage sei nur, ob man warte, bis man vom Konsumenten oder Gesetzgeber zur Umorientierung gezwungen werde oder schon jetzt die notwendigen Schritte setze. Auf dieser Erkenntnis beruht auch Grubers neues Projekt: oekobonus. Das neuartige Bonusprogramm richtet sich nicht mehr nur an Unternehmer, sondern an Kunden, die mit Nachhaltigkeit Punkte („Bees“) sammeln können. „Wir arbeiten mit nachhaltigen Unternehmen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen, um einen möglichst großen Teil des menschlichen Alltags abzubilden: von der einfachen Beschaffung über den Urlaub bis zur Mobilität. In all diesen Bereichen kann man wertebasierte Kaufentscheidungen treffen und wird mit oekobonus dafür belohnt“, freut sich Gruber.

MEHR ZU OEKOBONUS: https://www.oekobonus.de
VEREINIGUNG DER BIO-HOTELS: https://www.biohotels.info

 

Titelbild: HOGAST/Franz Neumayr
6. September 2021
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