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Trinkwasserhygiene: Der Betreiber ist verantwortlich!

Anderswo muss man Trinkwasser in Flaschen kaufen. Du, glückliches Österreich, trinkst es aus der Leitung. Obwohl, ganz so einfach ist die Sache auch hierzulande nicht. Denn Trinkwasseranlagen müssen dem aktuellsten Stand der Technik entsprechen, um einen entsprechenden Schutz vor gefährlichen Keimen zu bieten. Das Problem der Planer und Errichter? Nein, denn sobald eine Trinkwasseranlage in Betrieb genommen wurde, sind ausschließlich Sie als Betreiber verantwortlich!

Laut österreichischer Trinkwasserverordnung (§ 3, Absatz 1) muss Wasser ohne Gefährdung der menschlichen Gesundheit trink- oder verwendbar sein. Das ist gegeben, wenn es „Mikroorganismen, Parasiten und Stoffe jedweder Art nicht in einer Anzahl oder Konzentration enthält, die eine potenzielle Gefährdung der menschlichen Gesundheit darstellen“. Zu den gefährlichsten Keimen im Trinkwasser gehören neben Pseudomonaden, die beispielsweise Harnwegsinfekte oder Darmentzündungen auslösen können, vor allem Legionellen.

 

Was sind Legionellen?

Legionellen sind Bakterien, die in geringer Konzentration praktisch in jeder Form von Wasser vorkommen. Wenn sie jedoch in das Trinkwassersystem eines Gebäudes gelangen und die Temperatur, die Verweilzeit und das Nahrungsangebot passen, können sie sich in kürzester Zeit explosionsartig vermehren und zu einer großen Gefahr für die menschliche Gesundheit werden. Typische Krankheiten, die von Legionellen ausgelöst werden, sind das Pontiac-Fieber und in schweren Fällen die Legionärskrankheit, die bei immungeschwächten Menschen zum Tod führen kann.

 

Gesundheitliches Risiko

Legionellen werden durch das Einatmen von Aerosol übertragen. Hierbei handelt es sich um jenes Wasser-Luft-Gemisch, das z. B. beim Duschen, in Whirlpools, bei Luftbefeuchtern etc. entsteht. Laut den aktuellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben allein in Europa jährlich mehrere Tausend Menschen an den Folgen einer Legionelleninfektion, unzählige erkranken an einer schweren Lungenentzündung. Auch bei uns in Österreich kommt es laufend zu Krankheits- und Todesfällen.

Rechtliches Risiko

Die gültigen Gesetze, Normen und Vorschriften machen einzig und alleine den Anlagenbetreiber, somit Sie als Hotelier oder Gastronom, für die Wasserqualität in seiner Anlage verantwortlich. Das bedeutet: Wenn sich ein Gast mit Legionellen infiziert, in weiterer Folge erkrankt oder stirbt und nicht nachgewiesen werden kann, dass man die gesetzlich vorgeschriebene Legionellen-Prophylaxe betrieben hat, dann wird in den meisten Fällen Strafanzeige wegen „grob fahrlässiger Körperverletzung“ (gegebenenfalls mit Todesfolge) erhoben! Derzeit sind in Österreich einige derartige Fälle gerichtsanhängig.

Wirtschaftliches Risiko

Auch das wirtschaftliche Risiko im Zusammenhang mit Legionellen ist enorm. Die Behörden gehen rigoros vor: Allein  der Verdacht, dass sich unter Umständen ein Gast in einem Hotel infiziert hat, kann ausreichen, um das gesamte Gebäude oder zumindest Anlagenteile behördlich solange zu schließen, bis die Legionellensicherheit nachgewiesen werden kann. Das führt unweigerlich zu einem schweren Imageverlust für den betroffenen Betrieb.

Wichtige Faktoren, die Bakterienwachstum begünstigen:

  1. Wassertemperatur: Bei Wassertemperaturen zwischen 25 und 45° C finden Legionellen optimale Wachstumsbedingungen vor. Deshalb sind laut ÖNORM B 5019 für das Kaltwasser maximal 25° (empfohlen werden 20° C) und für das Heißwasser mindestens 55° C vorgeschrieben. Das Risiko der Aufwärmung des Kaltwassers besteht vor allem durch zu nah an den Warmwasserleitungen verlegte Kaltwasserleitungen und/oder mangelnde Isolierung.
  2. Stagnation: Durch z. B. Totleitungen (funktionell oder absolut), zu groß dimensionierte Leitungen oder einfach durch lange Betriebsunterbrechungen (z. B. Saisonbetrieb) haben Bakterien Zeit, sich zu vermehren. Durch stehendes Wasser wird zudem zusätzlich auch noch die Wassertemperatur negativ beeinflusst.
  3. Nährstoffangebot/Biofilm: In den Rohren kommt es zu Ablagerungen, die für Bakterien eine optimale Lebensgrundlage sind.

Problemlösungen:

  • Planung und Errichtung der Anlage nach dem Stand der Technik
  • Optimale Rohrdimensionierung und Strangführung
  • Trennung von Trinkwasser- und Nicht-Trinkwasserleitungen
  • Isolierung von Kaltwasserleitungen, um die Erwärmung des Kaltwassers zu vermeiden
  • Beseitigung von Totleitungen
  • Vermeidung von Stagnation
  • Einführung eines Qualitätssicherungssystems

Konkrete Maßnahmen gegen Legionellen im Trinkwasser:

  • Thermische Desinfektion: Gemäß ÖNORM B 5019 müssen alle Entnahmestellen für 3 Minuten mit heißem Wasser von über 70° C betrieben werden.
  • Chemische Desinfektion: Mit Chlor, Chlordioxid oder Natrium- und Calciumhypochloritlösungen wird das Trinkwasser dekontaminiert. Auch eine Behandlung mit Ozon ist möglich, technisch aber recht aufwendig.
  • UV-Desinfektion: Bakterien werden mit UV-C-Licht inaktiviert
  • Membrantechnik: Mittlerweile sind äußerst feine Filteranlagen auf dem Markt, die sogar Bakterien und Viren ausfiltern können. In modernen Trinkwasseranlagen sind häufig Filter dieser Art integriert.

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Wichtige Gesetze, Normen und Richtlinien zum Thema Trinkwasserhygiene:

  • Trinkwasserverordnung – TWV (BGBl. II Nr. 304/2001)
  • ArbeitnehmerInnenschutzgesetz – AschG (BGBl. Nr. 450/1994 idF BGBl. Nr. 457/1995)
  • Österreichisches Lebensmittelbuch
  • EN 806 (Technische Regeln für Trinkwasserinstallationen)
  • ÖNORM B 5019 (Hygienerelevante Planung, Ausführung, Betrieb, Wartung, Überwachung und Sanierung von zentralen Trinkwasser-Erwärmungsanlagen)
  • VDI/DVGW 6023 (Hygiene in Trinkwasserinstallationen)
  • AGES Leitlinie Legionellen

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Ihr hogast-Experte:

Norman Wegrich
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F: +43 (0)6246 89639258
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20. September 2016
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