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Wiener Musikgeschichte im Chattanooga

Spektrum

WENN MAN DAS „CHATTANOOGA“ IN WIEN ERSTMALS BETRITT, FÄLLT DIE STIEGE, DIE LINKS IN DEN KELLER FÜHRT, KAUM AUF. DOCH UNTEN, IM JETZIGEN „WIENER STADTBRÄU“, WARTET EIN KLEINES STÜCK ÖSTERREICHISCHE MUSIKGESCHICHTE. DIE GESCHWISTER MICHAEL UND ISABELLA FUNK, DIE BEIDE GASTSTÄTTEN VON IHREM VATER MAX ÜBERNOMMEN HABEN, PFLEGEN DAS ERBE GEWISSENHAFT.

„Udo Jürgens war hier, Roy Black, Middle of the Road oder The Lords“, erzählt Michael Funk, mit 34 der ältere Teil des Besitzer-Duos, stolz. Die Rolling Stones ließen sich zumindest das Essen im Chattanooga schmecken. Und um ein Haar wären auch die Beatles nach Wien gekommen. „Die Plakate waren schon gedruckt, weil mein Vater mit dem Hamburger Star-Club zusammengearbeitet hat, in dem die Beatles damals aufgetreten sind. Leider sind sie über Nacht berühmt geworden und haben deshalb alle Verträge gekündigt.“ Im Chattanooga sind stattdessen die „Vienna Beatles“ aufgetreten, eine eilig zusammengestellte und mit Pilzkopf-Perücken ausgestattete Band.

Foto: Getty Images

DIE SPARERIBS SIND GEBLIEBEN

Man sieht an diesem Beispiel: Die Chattanooga-Geschichte war seit der Gründung im Jahr 1960 bewegt. Woher eigentlich der Name? „Na ja“, sagt Michael Funk, „der Legende nach von Glen Miller, weil sein ‚Chattanooga Choo Choo‘ im Radio gerade auf und ab gelaufen ist. Aber es war damals generell so, dass ausländisch klingende Namen ‚in‘ waren. Außerdem hat mein Vater das Lokal anfangs mit zwei Amerikanern geführt, die den oberen Teil als Burger-Restaurant aufziehen wollten.“ Rückblickend weiß man, dass die US-Boys ihrer Zeit um mindestens 30 Jahre voraus waren – trotzdem sind die Burger ein kulinarisches Markenzeichen des Chattanooga geblieben.

Noch bekannter sind die Spareribs. „Sehr viele unserer Stammgäste sind in Wien lebende Asiaten. Die kommen in erster Linie wegen der Spareribs zu uns“, verrät Isabella Funk. Das ist kein Zufall, denn Max Funk war oft in Thailand und auf den Philippinen unterwegs – gesucht hat er dort in erster Linie Musiker für das Chattanooga, gefunden aber auch das Ribs-Rezept und die Mutter seiner beiden Kinder. „Das Rezept ist fünf Jahrzehnte lang das gleiche geblieben“, sagt Isabella Funk. „Leider ist es mittlerweile kein ganz großes Geheimnis mehr, weil zu viele Köche gekommen und gegangen sind.“

VON DER DISCO ZUM BIERLOKAL

Generell haben Michael und Isabella von ihren Eltern viel gelernt. Neben dem Zubereiten leckerer Spareribs hat ihnen Vater Max auch vor Augen geführt, dass man jeden Rückschlag mit harter Arbeit wettmachen kann. „Das Chattanooga war zwischendurch verpachtet“, erzählt Michael Funk. „Der Grund war, dass mein Vater recht spät eine Familie gegründet hat und uns beide aufwachsen sehen wollte. Leider war nach zehn Jahren nicht mehr viel vom schicken Tanzlokal von einst über. Also ist er mit 73 noch einmal aus der Pension zurückgekommen, hat die Disco im Keller von einem Tag auf den anderen geschlossen und ein Bierlokal draus gemacht.“ Es hat Jahre gedauert, bis der gute Ruf des Chattanooga wieder hergestellt war – doch Max Funk hat auch diese Hürde gemeistert.

Seine Motivation war, dass er seinen Kindern ein schönes Lokal übergeben wollte. Denn rasch war klar, dass die Nachfolgersuche im Hause Funk kein Thema sein würde. „Unsere Eltern haben uns nie zu etwas gedrängt“, betont Isabella Funk, „aber es wäre schade gewesen, wenn wir dieses schöne Erbe nicht angetreten hätten. Endgültig entschieden war die Sache, als wir 14, 15 waren – denn da mussten wir uns schulisch entsprechend orientieren.“

START ALS TELLERWÄSCHER

Foto: Franz Neumayr

Michael Funk tendierte in Richtung Küche – noch heute schwingt er privat gerne den Kochlöffel. Isabella zog es mehr in den Servicebereich. „Aber wenn Not am Mann ist, können wir beide jede Aufgabe im Lokal übernehmen“, sagt Michael Funk. „Dafür hat unser Vater gesorgt. Ich erinnere mich noch genau an mein erstes Praktikum hier – da durfte ich gleich mal zwei Wochen Teller und Gläser waschen. Und ein Jahr später, als ich richtig angefangen habe, ging es nochmal von vorne los. Meine Schwester hat ebenfalls alle Bereiche des Chattanooga kennengelernt. Heute kommt uns das sehr zugute.“

Die Geschwisterliebe ist nicht erst mit der gemeinsamen Aufgabe entstanden. „Wir haben uns schon als Kinder gut verstanden und viel miteinander gespielt. Mittlerweile sind wir ein hervorragend eingespieltes Team und funktionieren fast wie eine Person. Unser Vorteil ist, dass wir sehr unterschiedliche Charaktere sind – die Stärken des einen sind die Schwächen des anderen und umgekehrt. Und das wissen wir auch beide“, sagt Isabella Funk.

GESCHWISTERLICHE HARMONIE

Während sie das Gesicht von Chattanooga und Stadtbräu ist, sich auch um Werbung und Marketing kümmert und viel Gästekontakt hat, zieht ihr Bruder mit seinem organisatorischen und technischen Know-how im Hintergrund die Fäden. „Aber alle Entscheidungen treffen wir gemeinsam“, sagt Michael Funk. 2014 hat Max Funk sein Lebenswerk endgültig an seine beiden Kinder übergeben, doch schon davor hatte er Schritt für Schritt die Verantwortung an sie abgegeben. Als Geschwister ein Lokal zu führen, habe durchaus Vorteile. „Als Ehepaar will man gleichzeitig auf Urlaub fahren. Mit meiner Schwester kann ich mir das super aufteilen. Und ich konnte mir auch drei Monate freinehmen, als mein Sohn vor knapp zwei Jahren zur Welt gekommen ist. Wenn man einen Gastronomiebetrieb mit dem eigenen Partner führt, ist all das nicht so leicht möglich. Aber auch bei Bruder und Schwester gilt: Man sollte nur dann gemeinsam ein Lokal leiten, wenn man gut harmoniert.“

ZURÜCK ZU DEN WURZELN

Die neuen Chattanooga-Chefs haben in ihren ersten Jahren eine einschneidende Änderung volllzogen. Isabella Funk sagt: „Der obere Teil unseres Lokals ist sowieso voll. Da landen die Touristen, die nicht lange auf ihr Essen warten wollen. Wir arbeiten im Chattanooga daher eher wie Systemgastronomen. Doch wir haben inklusive Schanigarten 600 Sitzplätze. Die Frage war also: Wie kriegen wir auch das Stadtbräu voll? Oder konkreter: Was können wir unten anders machen, damit das Chattanooga und das Wiener Stadtbräu als eigenständige Lokale wahrgenommen werden?“

Die Lösung war nicht etwa ein hypermodernes Konzept. Stattdessen setzte das junge Gastronomen-Duo auf traditionelle Wiener Küche. Mehr noch, die Tradition des Sonntagstanzes aus den frühen Chattanooga-Jahren wurde wiederbelebt – inklusive „5-Uhr-Tee“. „Uns ist aufgefallen, dass es in Wien viele Angebote für junge Menschen gibt. Auf die älteren wird aber oft vergessen. Das haben wir geändert“, schildert Isabella, die bei der Neuorientierung federführend war.

EMOTIONEN IM STADTBRÄU

Foto: Franz Neumayr

Der Plan ging auf, das Stadtbräu ist mittlerweile vor allem sonntags glänzend besucht. „Aber nicht nur das. Viele haben mir erzählt, dass sie hier schon in ihrer Jugend waren, dass sie hier ihren späteren Mann kennengelernt haben und viele andere Geschichten. Und allen merkt man an, dass sie unheimlich dankbar sind, dass wir die alten Zeiten wieder aufleben lassen. Das weckt auch bei uns sehr schöne Emotionen“, sagt Isabella Funk. „Ich denke generell“, ergänzt Michael, „dass das Alte nicht immer schlecht und das Neue nicht immer gut sein muss. Gerade in Wien haben wir in den letzten Jahren viele spektakuläre Neueröffnungen erlebt, aber fast genauso viele Betriebe, die nach einem Jahr wieder zugesperrt haben. Wir sind nicht in London oder Paris – das Wiener Publikum tickt anders und man kann keine Konzepte machen, die an den Gästen vorbeigehen. Die wollen hier, wenn sie ins Wirtshaus gehen, nun mal ihr Schnitzel oder ihre Würstel. Deshalb muss man Ihnen das Schnitzel und die Würstel als Wirt auch anbieten.“

HOGAST ALS „ÄRGERNIS“

Auch eine über 40-jährige Einkaufsorganisation ist in den Augen von Familie Funk alles andere als uncool. „Die HOGAST ist mir schon das eine oder andere Mal untergekommen, bis 2015 habe ich aber nichts damit verbunden. Dann habe ich mir diese HOGAST näher angesehen und mich im Endeffekt geärgert, dass wir nicht viel früher beigetreten sind“, erinnert sich Michael Funk. „Wir sparen mittlerweile im Einkauf viel ein, haben es bei der Buchhaltung leichter als vorher, haben neue Lieferpartner kennengelernt, können auf einen Riesenpool an Informationen zugreifen und haben mit René Rosner einen super Betreuer.“

Er ist überzeugt, dass noch viele Wiener Betriebe dahinterkommen werden, was die HOGAST ist und welche Vorteile sie bringt. „Man spürt das jetzt schon, nicht zuletzt, weil in der ganzen Stadt junge Gastronomen nachkommen, die keine Berührungsängste untereinander haben und damit auch für die Zusammenarbeit in einer Einkaufsgemeinschaft sehr offen sind …“

HOGAST-PLUS:

Digitalisierung

Michael Funk hat im Chatanooga bis vor kurzem jeden Handtuchund Toilettenspender einzeln kontrolliert. Mittlerweile hat er ein System, das ihm elektronisch mitteilt, wenn ein Gerät aufgefüllt werden muss. Er erspart sich damit 20 Minuten Arbeit am Tag.

Das Beispiel zeigt, dass digitale Innovationen den Alltag von Hoteliers und Gastronomen massiv erleichtern können. Die HOGAST hat deshalb den HOGAST.DIGITAL-Schwerpunkt ins Leben gerufen. Der Manager dieses Fachbereichs, Adrian Bouchehri, beschäftigt sich mit Neuentwicklungen im Digitalisierungsbereich und macht sie für die HOGAST-Mitglieder nutzbar.

Titelbild: Franz Neumayr
4. September 2019
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