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Zurück auf die Erfolgsspur

Spektrum

Die Prodinger Tourismusberatung zeigte bei einem Seminar im Romantikhotel Elixhauser Wirt bei Salzburg, worauf es beim Re-Start der Hotellerie jetzt ankommt.

Die Tourismusbranche war bislang eine verwöhnte. Bis 2019 gingen die Zahlen stetig bergauf: Mehr Zimmer, mehr Übernachtungen, mehr RevPar. Selbst die Finanzkrise oder die Eurokrise konnten dem Tourismus nichts anhaben. Der Tourismus erwies sich als krisenresistent. Thema war eher der Übertourismus – sogar in Österreich. Der Februar 2020 war mit Wachstumsraten von 10 Prozent ein Rekordmonat.

DANN KAM CORONA

Diese Krise traf den Tourismus besonders hart. „Im Herbst 2020 dachten die Interessensvertretungen noch, wir sperren nochmals kurz zu und können damit das Weihnachtsgeschäft retten“, erinnert sich Thomas Reisenzahn von der Prodinger Tourismusberatung – dann kam die zweite und dritte Welle. „Wir haben immer das Schweizer Modell favorisiert. Die Schweizer kamen mit 50% Belegung und unserem Sicherheitskonzept (sichere Gastfreundschaft) durch den Winter und freuten sich über österreichische Mitarbeiter, während bei uns alles geschlossen war.“

UND JETZT?

Die Buchungen in der Ferienhotellerie sind erfreulich, die in der Stadthotellerie nicht. Und das wird vermutlich auch noch länger so bleiben. Der internationale Verband der Airlines IATA rechnet erst für 2025 (!) mit einer Erholung des Incoming-Geschäftes für Europa. Und dann auch nur mit 80% des Geschäfts von 2019. Viele Airlines werden noch insolvent gehen, viele asiatische Märkte längerfristig ausfallen.

ALTE PROBLEME SIND NEUE PROBLEME

Dazu kommt, dass wir noch einiges an Problemen von vor Corona in die Zeit nach Corona mitschleppen: Die geringe Eigenkapitalquote in der Hotellerie, die fünfthöchste Schuldenlast pro Kopf in der EU. „Das im internationalen Vergleich großzügige Gießkannenprinzip unserer Regierung wirkt sich hier leider negativ aus“, warnt Reisenzahn. „Wir werden demnächst eine Debatte über höhere Steuern haben, denn die Sparleidenschaft ist enden wollend. Eine Substanzbesteuerung wäre besonders schlecht für kapitalintensive Branchen wie den Tourismus.“ Andererseits habe die Covidkrise allen in Österreich klargemacht, wie wichtig die Dienstleistungsbranche und hier besonders der Tourismus für die Gesamtwirtschaftsleistung ist. Länder mit einer geringeren Dienstleistungsquote sind besser durch die Krise gekommen.

Dazu kommt die nach wie vor hohe Abgabenlast auf den Faktor Arbeit, da liegt Österreich auf dem unrühmlichen 3. Platz im OECD-Vergleich – nach Belgien und Deutschland. „Die Lohnverrechner sind die Helden bei uns“, scherzt Reisenzahn. „Sie benötigen 35 Minuten und fünf Screens, um einen Mitarbeiter anzulegen. Nirgendwo ist das so kompliziert wie bei uns. Mitarbeiter kosten zu viel, verdienen aber zu wenig. Das darf nicht so bleiben bei 40% Personalkosten in der Hotellerie!“

Ein weiteres strukturelles Problem für den österreichischen Tourismus: Im Winter und in den Städten sind wir stark von ausländischen Gästen abhängig – nicht nur von den Deutschen. Im Sommer profitieren wir von vielen inländischen Urlaubern. Da stellt sich die Frage, ob wir die in den kommenden Jahren halten können, wenn das Reisen wieder problemlos möglich ist.

WAS HAT CORONA GEÄNDERT?

Worauf müssen sich Touristiker in der Post-Corona-Ära einstellen? Ein Zurück zum alten Normal wird’s nicht spielen. Thomas Reisenzahn spricht von einem „neuen Reisen“, die Gäste werden andere Ansprüche haben – und das wird mittelfristig auch so bleiben, darauf muss sich die Hotellerie einstellen:

  • Tempo drosseln
  • Vereinfachen
  • weniger und bewusster konsumieren
  • sich einfügen
  • auf Fremde und Locals vertrauen
  • das Gewöhnliche schätzen
  • Soul & Comfort-Food
  • Convenience bei Buchung und Bezahlung
  • Nachhaltigkeit auf allen Ebenen
  • Gesundheitsvorsorge
  • andere Mobilität
  • Verschmelzung von Technologie und Arbeitswelten (Bleasure)
  • Lüftungsanlagen innen
  • Draußensitzen auch bei schlechtem Wetter und im Winter
  • noch kurzfristigere Buchungen bei flexiblen Stornobedingungen
  • Professioneller Umgang mit Krisen (künftige Coronaausbrüche)
  • Die Kreuzfahrer werden zu Thermenbesuchern
  • die OTAs werden weiter gestärkt
  • Sommerfrische immer beliebter

Diese Trends am besten bedienen können, das zeigte sich schon während Corona:

  • Serviced Appartments
  • Chalets (Social Distancing!)
  • AirBnB
  • Glamping

DIE GÄSTE DER ZUKUNFT

Dann warf Thomas Reisenzahn einen etwas langfristigeren Blick in die Zukunft, auf Megatrends, die nicht unbedingt mit Corona zu tun haben: „2050 werden 70% der Weltbevölkerung in Städten und Ballungsgebieten leben – wie spreche ich die in der Ferienhotellerie an?“ Den aktuellen, noch coronabedingten Trend „Stadtflucht“ kann man in der Stadthotellerie aufgreifen, indem man sich das Ländliche in die Stadt/Haus holt. (was in Städten ein Megatrend ist – siehe Urban Gardening oder die Vergrätzelung, manche sagen Verdorfung der Stadt).

Reisenzahn weist auf die völlig neue Zielgruppe der Best Ager hin. Aufgrund der Demografie und guter Renten und Pensionen wird es immer mehr fitte und zahlungskräftige Alte geben, die einen 20 Jahre jüngeren Lebensstil pflegen und auch so angesprochen werden wollen. Eben nicht als Senioren, sondern als offene, kreative Menschen, die zwar an ihre Gesundheit denken (müssen), aber sonst das Leben bewusst genießen wollen. Die Vorstellung von Alter wandelt sich, Alter ist nicht mehr so wichtig. Wertecluster und Sinus-Mileus sind entscheidend, wo man sich dazu rechnet: zu den Performern, den Wertkonservativen oder den Kreativen. Das geht in jedem Alter.

VON DIGITAL DETOX BIS SHARING ECONOMY

Weitere Trends, die sich noch verstärken und auf die die Hotellerie Antworten und Angebote finden muss:

Digital Detox ernst nehmen und konsequent durchziehen. Auf der anderen Seite den Menschen, die auch im Urlaub arbeiten wollen oder müssen (Stichwort Bed’N’Büro) beste technologische Möglichkeiten bieten (also das Gegenteil von Detox). Der Retrotrend ist gekommen, um zu bleiben. Das drückt sich in der Farbgebung von Innenräumen aus, je nach Jahrzehnt eher gedeckte Töne wie in den 60ern oder schrille wie in den 70ern oder Schwarz-Weiß-Silber wie in den 80ern. Die Sehnsucht nach dem Analogen, dem Handwerklichen, Selbstgemachten (Brot backen, Kräuter und Gemüse aus dem eigenen Garten, hausgemachte Limonaden), natürlichen Materialien, weniger Chemie wird bleiben. Reisenzahn zeigte die beliebtesten Urlaubsfotos auf Instagram – die sich deutlich von den üblichen touristischen Werbebotschaften unterscheiden: Da sieht man stille, nebelverhangene Landschaften, wenig Menschen, Einsamkeit. An den Sehnsuchtsorten der Urlauber muss nicht immer die Sonne scheinen – ganz im Gegenteil.

Auch das Thema Wellness wird sich verändern: Statt Hitze ist Kälte jetzt das Thema, statt Sauna Kältekammern, statt Massage berührungsloses Floating, statt Fitnesstrainig Waldness, also das bewusste Erleben des Waldes (inklusive Yoga auf einer Lichtung). Die neuen und zahlungskräftigen Reisenden, vor allem auch die Best Ager und Performer, suchen das „Super Me“: das selbstoptimierte Ich. Gesundheitsvorsorge läuft bald über Biohacking und Tracking. Das ist eine Chance für Wellness- und Gesundheitshotels: Wenn sich die Gäste nach einer Intensivkur (Biohacking) ein halbes Jahr tracken (also digital und remote vermessen) lassen, heißt das, dass sie zu einer Nachuntersuchung und -justierung wiederkommen (müssen). Gut um Stammkunden zu gewinnen.

Auch die Sharing Economy wird weiter voranschreiten. Immer weniger Menschen werden ein eigenes Auto oder auch nur einen Führerschein haben. Wie kommen sie also in abgelegene Urlaubshotels oder -resorts und bewegen sich dort fort? Hier müssen gemeinsam mit den Gemeinden Angebote geschnürt werden wie zum Beispiel Mobilitätsparks mit E-Cars, E-Bikes, E-Rollern. Auch das Busreisen wird wieder attraktiver (und in manchen Fällen luxioriöser). Warum sollte ein Flixbus von Berlin nicht auch direkt nach Bad Gastein fahren? Darum muss man sich gemeinsam kümmern.

MIXED USE

Das Sharen erstreckt sich auch auf den Urlaub selbst: Gemeinschaftsküchen statt Restaurant, Co-Working in der Hotellobby. Flexible Gestaltung der öffentlichen Räume ist angesagt: aus Frühstsücksräumen werden Begegnungszonen. Das Frühstück wird überall im Hotel eingenommen – der Frühstücksraum und das Büffet werden abgeschafft. Überhaupt rät Reisenzahn dazu auf Flächeneffizienz zu achten. Auch auf einen flexiblen Einsatz von Mitarbeitern: Die Rezeptionistin kann auch die Bar machen, je nach Tageszeit. Vendingmaschinen ersetzen den Roomservice und die Minibar. Das führt schon jetzt dazu, dass immer weniger Hotels in Ferienorten Vollpension anbieten. Dort gibt es oft nur noch ein üppiges Frühstück, ansonsten wird auswärts gegessen. Was wiederum eine Chance für Gastronomen darstellt. Denn bisher war es eher umgekehrt. Noch gibt es zu wenige Restaurants in Ferienorten. Hier könnte eine attraktive Systemgastronomie die Lücke schließen.

CHANGE REVENUE MANAGEMENT

Marco Riederer von der Prodinger Tourismusberatung zeigte, wie ein intelligentes Preis- und Vertriebsmanagement nach Corona aussehen könnte: „Das richtige Zimmer dem richtigen Gast zur richtigen Zeit zum richtigen Preis anbieten!“ Diesem Ziel dient ein Revenue Management mit Dynamic Pricing – auch in der Ferienhotellerie, die davor bislang eher zurückscheute. „Es geht darum Kontrolle über Kosten und Umsätze und damit letztendlich über die Gewinne zu haben.“ Ein gutes Revenue Management lege das Hauptaugenmerk auf langfristige Unternehmensziele. Dabei geht es auch nicht ausschließlich um die beste Preisfindung; mindestens genauso wichtig ist die intelligente Steuerung von Verfügbarkeiten, Buchungskanälen und Segmenten. Die Umsetzung könnte durch die ganzheitliche und interdisziplinäre Arbeitsweise des Revenuemanagments erreicht werden: indem alle Bereiche des Hotels integriert werden.

Bild: Clemens van Lay / Unsplash
Beitrag: Thomas Askan Vierich
6. Juli 2021
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